Nach 15 Jahren ehrenamtlichem Engagement für die QBW* – Queer Business Women* und über viele Jahre hinweg auch prägend für die Projekte, aus denen Pride Biz Austria hervorgegangen ist, legt Astrid G. Weinwurm-Wilhelm (sie/ihr) ihre Funktionen als Vizepräsidentin zurück. Bereits 2010, lange vor der offiziellen Gründung von Pride Biz Austria hat Astrid zentrale Initiativen wie die Auszeichnung Meritus sowie das LGBTIQ+ Business Forum gemeinsam mit QBW* – Queer Business Women* und AGPRO – Austrian Gay Professionals mitaufgebaut und von Beginn an begleitet. Auch seit der Gründung von Pride Biz Austria 2019 hat sie den Aufbau, die strukturelle Weiterentwicklung und die Sichtbarkeit des Netzwerks maßgeblich geprägt. Diversity Management und Inclusive Leadership bleiben weiterhin Kern von Astrids Wirken: Als selbständige Organisationsberaterin und systemische Coach arbeitet sie auch künftig mit Klarheit, Expertise und Leidenschaft. Mit Blickweisen. Vielfalt führen begleitet sie Organisationen dabei, Räume zu gestalten, in denen Menschen authentisch sein und ihr volles Potenzial entfalten können.
Gleichzeitig beginnt ein neues Kapitel: Clar Gallistl (dey/deren) übernimmt künftig die Vizepräsidentschaft im Vorstand. Clar berät Organisationen im Bereich Fairness-Strategien, insbesondere in Kunst, Kultur und der Kreativwirtschaft, und ist seit vielen Jahren engagiert bei den QBW* – Queer Business Women*. Dey verbindet langjährige inhaltliche Auseinandersetzung mit Diversität im Arbeitskontext mit einem klaren strategischen Blick, kennt Pride Biz Austria aus der Community- wie auch aus der Organisationsperspektive. Wir könnten uns keine passendere Nachfolge vorstellen.
Im folgenden Interview sprechen Clar Gallistl und Lukas Burian (Präsident von Pride Biz Austria) über den Übergang, die zukünftige Ausrichtung von Pride Biz Austria und darüber, warum Haltung, Qualität und Zusammenarbeit gerade jetzt zentral sind.
Ein Interview von Maximilian Handl (er/ihm) mit Clar Gallistl (dey/deren) und Lukas Burian (er/ihm)
Maximilian Handl: Mit der Staffelübergabe von Astrid G. Weinwurm-Wilhelm endet eine prägende Phase bei Pride Biz Austria. Lukas, was bedeutet dieser Moment für dich persönlich und für das Netzwerk?
Lukas Burian: Es ist vor allem ein Moment großer Dankbarkeit. Astrid hat Pride Biz Austria entscheidend mit aufgebaut, professionalisiert und nach außen sichtbar gemacht. Diese Staffelübergabe ist eine konsequente Weiterentwicklung. Wir stehen heute auf einem stabilen Fundament – und das erlaubt uns, die nächsten Schritte mit Selbstvertrauen zu gehen.
Maximilian Handl: Clar, du übernimmst gemeinsam mit Lukas mehr Verantwortung. Wofür soll Pride Biz Austria künftig stehen?
Clar Gallistl: Für Diversität als professionelle Haltung. 75 % der LGBTIQA+ Personen sind an ihren Arbeitsplätzen nicht geoutet. Pride Biz Austria ist ein Business-Netzwerk, das Unternehmen dabei unterstützt, ein offenes Betriebsklima zu schaffen. Sichtbarkeit und Sicherheit für lesbische, schwule, nicht-binäre, inter und trans Menschen in ihren Arbeitsumfeldern müssen Hand in Hand gehen. Wir wollen gemeinsam mit unseren Allys daran arbeiten, wie sie Diversität in ihren Unternehmen fördern und stärken können.
Maximilian Handl: 2026 ist programmatisch stark aufgeladen. Was dürfen sich eure Allys konkret erwarten?
Lukas Burian: Wir bleiben unserer Linie treu und bauen sie gezielt aus. Dazu zählen die Vernetzung und der Austausch über alle Dimensionen des Regenbogens, das Business Forum im Oktober mit Fokus auf aktuelle Diversity- und HR-Trends, die Pride Biz Circles sowie zwei Ausgaben von Queer in Tech. Im Juni findet wie immer die Pride Networking Lounge statt, im November die Verleihung unseres Forschungspreises. Ein besonderes Highlight ist, dass unsere Auszeichnung Meritus im Mai 2026 erstmals auf europäischer Ebene in Prag als LGBTIQ+ Inclusion Award vergeben wird.
Maximilian Handl: Clar, warum ist gerade dieser europäische Schritt beim Meritus so wichtig?
Clar Gallistl: LGBTIQA+ ist ein globales Thema. Wir leben Kooperation statt Konkurrenz. Meritus macht Engagement sichtbar, das oft zusätzlich zur eigentlichen beruflichen Rolle passiert. Mit dem Schritt auf europäische Ebene zeigen wir, dass Inklusion kein lokales Thema ist, sondern ein gemeinsamer Anspruch – gerade auch in der Wirtschaft.
Maximilian Handl: Viele kennen Pride Biz Austria, aber nicht alle wissen, wofür PBA im Kern steht. Lukas, wie würdest du das beschreiben?
Lukas Burian: Pride Biz Austria wurde von AGPRO und QBW* gegründet, um gemeinsam mit in Österreich ansässigen Unternehmen ein offenes Betriebsklima zu schaffen. Der wirtschaftliche Mehrwert ist klar belegt: Diverse Teams sind produktiver, innovativer und tragen messbar zum Wettbewerbsvorteil bei.
Maximilian Handl: Employer Branding und Recruiting sind für viele Unternehmen zentrale Themen. Welche Rolle nimmt PBA hier ein?
Clar Gallistl: Wir verstehen uns als zentraler Ally – für Unternehmen und für die LGBTIQA+ Communities. Viele große Unternehmen haben erkannt, dass eine klare Haltung zur menschlichen Vielfalt ein Wettbewerbsvorteil ist, um gutes Personal zu gewinnen und zu halten. Pride Biz Austria begleitet diese Prozesse nicht operativ, setzt aber mit unserem Kriterienkatalog für Allys einen klaren Rahmen. Dieser stellt sicher, dass Engagement glaubhaft ist, strategisch verankert wird – und nicht in Pinkwashing mündet.
Maximilian Handl: Ihr sprecht auch darüber, wie über die Community gesprochen wird. Warum ist das ein Schwerpunkt?
Lukas Burian: Weil Sprache und Darstellung Wirkung haben. Wir müssen uns ansehen, wie LGBTIQ+ Personen in klassischen Medien wie auch online dargestellt werden. Da gibt es, vorsichtig formuliert, noch deutlich Luft nach oben. Entsprechende Gespräche laufen bereits. Unser Anspruch ist dabei nicht Empörung, sondern Qualität und Verantwortung.
Maximilian Handl: Pride Biz Austria ist ein Business-Netzwerk. Wie politisch darf oder muss man heute sein?
Clar Gallistl: Pride Biz Austria agiert nicht parteipolitisch. Wer sich in diesen Zeiten aber für unpolitisch hält, ist Teil des Problems. DEIB-Themen geraten ganz offen immer stärker unter Druck. Die Gewalt gegen LGBTIQA+-Personen steigt – auch die physische! Da können wir nicht „neutral“ sein. Wir sind politisch im Sinne der Menschenrechte. Jeder Mensch hat das Recht auf ein menschenwürdiges Leben – auch am Arbeitsplatz. Dafür setzen wir uns ganz klar ein. Wir werden keinen vorauseilenden Gehorsam leisten, sondern alle Communities und Organisationen dabei unterstützen, LGBTIQA+ Personen ein sicheres und lebenswertes Arbeitsumfeld zu bieten.
Maximilian Handl: Zum Abschluss der Blick nach vorne: Ihr habt einen Strategieprozess angekündigt. Was ist hier geplant?
Lukas Burian: Wir werden in einen strukturierten Strategieprozess gehen, um unsere bestehenden Allys mit weiterentwickelten Ideen bestmöglich zu servicieren und gleichzeitig für neue Allys attraktiv zu bleiben. Ein zentrales Ziel ist es, am Ende dieses Prozesses auch ein passendes Angebot für kleinere Unternehmen zu entwickeln, die Teil unseres Netzwerks sein wollen. Pride Biz Austria soll wachsen – qualitativ, nachhaltig und gemeinsam mit unserer Community.
Clar Gallistl: Aus meinem persönlichen Hintergrund heraus würde ich mich natürlich sehr freuen, wenn Organisationen aus den Bereichen Sport, Kunst, Kultur und Kreativwirtschaft noch mehr zu uns finden. PBA steht für wirtschaftliche Stärke und gesellschaftliche Verantwortung. Wir werden unsere bestehenden Allys weiterhin fördern und stärken, neue Allys gezielt ansprechen und unser Netzwerk strategisch weiterentwickeln. In einer Zeit, in der Vielfalt international unter Druck gerät, setzen wir bewusst auf Haltung, Qualität und Zusammenarbeit. Ich freue mich sehr über die Aufgabe und den Austausch mit unseren Pride Biz Allys!
Maximilian Handl: Vielen Dank für das Gespräch.
Fotos (c) Pride Biz Austria / Viktoria Morgenstern (intotheblue.studio)








